Die heraldischen Farben oder Tinkturen

 

 

Grundsätzlich sind alle heraldischen Regeln nur Soll-Vorschriften, die häufig übertreten werden und wurden. Außerdem widersprechen sich die Regeln sehr häufig, bzw. sind durch einfachen Augenschein zu widerlegen.

Nebenstehend die heraldischen Tinkturen, in der Häufigkeit ihres Vorkommens, Rot, Blau, Schwarz und Grün. Es sollen ungebrochene, leuchtende Farben sein.

 

 

Die beiden Metalle, Gold (Gelb) und Silber (Weiß)

 

 

 

 

Weniger benutzte Tinkturen, Braun, Orange (Tenné) und Purpur

 

 

 

 

Es gibt noch mehr Farben, die jedoch in der deutschen Heraldik nicht oder kaum vorkommen, Habsburger Gelb, Blaßblau um nur zwei zu nennen. In der letzten Reihe die braune und die orange Tinktur werden häufig in den heraldischen Lehrbüchern als Naturfarben angesprochen. Das ist ein Fehlinterpretation, die wohl aus der falschen Übersetzung des englischen heraldischen Terms „proper“ herrührt. Proper bedeutet nicht wie oft angegeben Naturfarben, sondern in natürlicher, nicht heraldisch stilisierter Form und Farbe. Ein englisch blasonierter „tiger ppr.“ ist also nicht braun oder orange, sondern ein natürlich gemalter bengalischer oder sibirischer Tiger. Und der hat mit dem heraldischen Tiger im Aussehen überhaupt nichts zu tun.

Außerdem gibt es noch die Pelzwerke, wie Hermelin, Kürsch und Feh, die jedoch in unzähligen Varianten vorkommen und hier aus Platzgründen nicht abgehandelt werden können.

In der schwarz-weiß Darstellung von Wappen gibt es für jede Tinktur eine bestimmte Art der Schraffur, von der heute jedoch allgemein abgegangen wird, da die Schraffuren ein Wappen  nahezu unkenntlich machen können. In Schwarzweiß-Darstellungen werden fast nur noch die Umrisse gezeichnet und teilweise schwarz gefüllt, bzw. es werden verschiedene Graustufen genommen.

 

Farbregeln

 

Die heraldische Regel besagt niemals Metall auf Metall zu setzen – oder Farbe auf Farbe, auch soll die Folge Farbe an Farbe und Metall an Metall nicht vorkommen. Das ist eine Regel, die man heute bei der Vielzahl von Wappen nicht mehr einhalten kann, da sonst nur einige tausend Möglichkeiten, ein Wappen zu entwerfen, möglich wären. Außerdem wurde diese Regel schon im frühen Mittelalter verletzt, Königreich Jerusalem, Papst-Wappen usw.! Einige Heroldsbilder wären bei Einhaltung dieser Regel auch nicht mehr möglich.

Auch sollen in jedem Wappen nur ein Metall und eine Farbe vorkommen, auch dieses ist heute nicht mehr zu bewerkstelligen.

Die Regel, daß immer ein Metall im Wappen vorkommen muß kann auch wiederlegt werden, durch Wappen, in denen zwar mehrere Tinkturen, jedoch kein Metall vorkommt.

 

Schildteilungen und Heroldsbilder

 

Schildteilungen sind durch an den Schildrand anstoßende Linien entstehende geometrische Aufteilungen der Schildfläche.

Dabei brauchen die Linien nicht immer Geraden sein, sie können gebogen, gezackt , wellenförmig usw. sein.

Nebenstehend die häufigsten Teilungen, von links nach rechts:

Gespalten, geteilt, schräggeteilt, schräggeviert, geviert, deichselförmig (um 180 Grad gedreht heißt es dann göpelförmig).

Zweite Reihe: Gespalten und halbgeteilt, geteilt und halbgespalten, geständert zu sechs, zweifach geteilt, zweifach gespalten, zweifach schräggeteilt.

 

Links einige Figuren, meist geometrische Formen, die meist an den Schildrand anstoßen, aber nicht immer. Kreuzformen, die nicht an den Rand anstoßen, zählen zu den gemeinen Figuren.

 

Von Links nach Rechts: Haupt, Balken, Pfahl, Schrägbalken, Schrägleiste oder Schrägfaden, Sparren.

 

Zweite Reihe: Deichsel, Andreaskreuz, Hauptpfahl oder Tau, Kreuz, Fuß, Spitze.

 

Dritte Reihe: Zwei Balken, drei Pfähle, drei Schrägbalken, schräglinker Balken, gestürzte Spitze, drei Sparren.

 

Gemeine Figuren

 

Unter diese Gruppe fallen alle anderen Schildinhalte, wie Menschen, Blumen, Tiere, Pflanzen und Geräte. Die Einteilung in diese Gruppen ist ziemlich willkürlich, teilweise wird der „Turnierkragen“ zu den Heroldsbildern (Figuren), andererseits auch wieder zu den gemeinen Figuren gerechnet. Die Übergänge sind da fließend. Zum Beispiel kann ein Kreuz oder ein Turnierkragen beides sein, je nachdem wie er gezeichnet wird.

 

 

Weiterführende Literatur: Walter Leonhard, Das Große Buch Der Wappenkunst.