Geschichte der Wappenrollen
Fakewappen und
Fakewappenrollen
Moderne
Fälschungen ( Heraldisches Archiv, Steinadler, Halbert´s usw.)
Wie man sich vor Fälschungen
schützt
Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern gab es in den von der deutschen Heraldik beeinflußten Staaten nie ein zentrales Wappenregister, zumindest soweit es Bürgerliche Wappen anging.
In Deutschland wurde die Annahme von
Wappen, von Beginn der Heraldik an, immer als etwas Privates angesehen. Daraus
ist heute ein Gewohnheitsrecht geworden.
Von Seiten der Obrigkeit gab es immer wieder Versuche diese selbständigen Wappenannahmen zu verbieten, es ist aber nie durchgedrungen, wovon die zahllosen Verordnungen zeugen.
Es ist ein schlichtes Märchen; wenn heute
noch verbreitet wird, daß nicht durch Wappenpatente garantierte oder verliehene
Wappen etwas Minderwertiges seien. Die wenigsten Wappen wurden registriert,
noch weniger wurden je verliehen. Mit Verleihung ist meist nur die Eintragung
und damit die rechtliche Absicherung eines bereits bestehenden Wappens gemeint.
Eintragungen wurden von Hofpfalzgrafen (Kaiserliche Verwaltungsbeamte) gegen
ein Handgeld durchgeführt. Diese Hofpfalzgrafen wurden unterschieden in solche
mit Großem und andere mit Kleinem Palatinat. Die
mit Kleinem
hatten ähnliche Aufgaben wie die heutigen Notare; Hofpfalzgrafen mit Großem
Palatinat konnten außerdem noch gewisse hoheitliche Aufgaben übertragen
bekommen, wie z.b. Nobilitierungen. Hofpfalzgrafen waren nicht immer natürliche
Personen, es konnten auch juristische Personen sein. Die meisten Ernennungen
zum H. waren erblich oder an den Bestand der juristischen Person gebunden, so
kam es, daß bis zum Ende des alten Reichs 1806 fast 4000 natürliche und
juristische Personen eine Ernennung erhalten hatten.
Teilweise wurde vom Kaiser auch an
Adelige oder Fürsten das Recht vergeben eine bestimmte oder unbestimmte Anzahl
von Wappen verleihen zu dürfen. Dazu kommt noch, daß schon seit dem 14.
Jahrhundert neben dem Kaiser auch andere deutsche Fürsten Wappenbriefe
ausstellten, die Herzöge von Bayern, die Pfalzgrafen bei Rhein usw. Außerdem
durften auch die Churfürsten welche den Kaiser vertraten Wappenbriefe ausstellen und Nobilitierungen
vornehmen.
Nach 1806 wurden die Ämter der
Hofpfalzgrafen aufgelöst und an Ihre Stelle traten die Heroldsämter der
verschiedenen
Deutschen Staaten. Einige Staaten, wie Preußen hatten schon vorher ein eigenes
Heroldsamt (1735), andere Staaten hatten wiederum keins oder die Ämter gab es
nur von Zeit zu Zeit. Gemeinsam war allen Heroldsämtern, daß Bürgerliche Wappen
nicht mehr registriert, bzw. verliehen wurde. Sie kümmerten sich nur um
Kommunal- bzw. Adelswappen Eine Ausnahme machte hierbei das Königreich Sachsen,
wo von 1912 bis 1918 auch Patente für Bürgerliche Wappen erteilt wurden. Eine
weitere Möglichkeit zur Rechtssicherung des Wappens bestand in einer Eintragung
im „Deutschen Geschlechterbuch“ ab 1878!
Alle diese Wappenbriefe, die bis 1918
erteilt wurde waren reine „offene Briefe“, d.h. der Besitzer des Patents hatte
durch Besitz und Präsentation des Briefes seine Rechte am Wappen bewiesen. Eine
Wappenrolle im heutigen Sinne des Wortes gab es damals nicht. Zwar wurden
Kopien der Patente geschrieben und in Libellen gesammelt, aber diese Bücher
wurden immer wieder receycelt, da sie auf knappen und daher wertvollen
Pergament geschrieben waren.
Außerdem hatten die Hofpfalzgrafen einen Anteil der Gebühren an den Kaiser
abzuführen, was dazu geführt hat, daß die Bücher höchst ungenau und lückenhaft
geführt wurden.
Die erteilten kaiserlichen Wappenbriefe
kann man in zwei Gruppen einteilen:
1. Der „normale“
Wappenbrief . Mit ihm wurde kein besonderes Recht vergeben, sondern das Wappen quasi registriert. Von
dieser Sorte gab es unzählige, da relativ preiswert. Allein aus der
Regierungszeit Friedrich III. sind über 5.000 dieser Briefe bekannt. Das soll
nicht heißen, daß noch alle Wappen bekannt wären oder registriert sind.
2. Der Wappenbrief
mit Artikel. Diese Art des Wappenbriefs wurde in zwei verschiedenen Versionen
ausgestellt. Version eins enthielt den Passus „meins Reiches Wapensgenos“ und
eine Aufstellung darüber wie das Wappen verwendet werden konnte. Da darin auch
der Wappengebrauch auf Turnieren usw. behandelt wird, kann man davon ausgehen,
daß mit diesem so etwas ähnliches wie die Turnierfähigkeit verliehen wurde. Die
zweite Version enthielt den Passus „Meins Reichs Wapen und Lehnsgenos“, damit
wurden noch erweiterte Rechte vergeben, wie, Steuerbegünstigung,
Lehnsfähigkeit, also ein Ritterlehen o.ä. zu erwerben und den Namen des Lehens
als Zunamen zu führen, Beispielsweise „Rieter von Kronberg“!
Die Wappenbriefe mit Artikel kann man als
Vorstufe zum Adelsbrief ansehen. Teilweise wurde mit diesen Briefen auch der
Adel ersessen. D.h. der Adel wurde später offiziell bestätigt, oder
stillschweigend geduldet.
Es ist natürlich klar, daß die
Wappenbriefe mit Artikel äußerst teuer waren, daher wurden sie fast
ausschließlich vom reichen Bürgertum oder Patriziat erworben.
1.) Veröffentlichung
in Buchform oder vereinsinternen Mitteilungsblättern
2.) Veröffentlichung
auf elektronischen Medien, wie CD-ROM und Internet
3.) Beide
Möglichkeiten
In wie weit eine reine Veröffentlichung
in Buchform (Mitgliedsblättern) sinnvoll ist, wegen der meist sehr kleinen
Auflage, soll hier nicht erörtert werden. Weiterhin wird durch eine
Registrierung und durch den Wappenbrief weitgehend gewährleistet, daß das
Wappen nicht in Vergessenheit gerät.
Anzumerken sei hier nur noch, daß viele deutsche
Wappenrollen eine Doppelregistrierung ablehnen. D.h. der HEROLD z.B. lehnt alle
Wappen zur Registrierung ab, die schon in einer anderen Wappenrolle registriert
wurden.
Auflistung der Wappenrollen (erhebt nicht
den Anspruch auf Vollständigkeit) in
Deutschland mit allen mir bekannten Informationen. Wenn es die Wappenrollen
nicht mehr gibt, ist die Wappenrolle angegeben, die diese weiterführt.
Farberklärung Abk. in Blau Wappenrolle existiert noch; Rot existiert
nicht mehr; Grün wurde von anderen Vereinen übernommen; Schwarz
ungewiß.
1.)
ADW Allgemeine Deutsche
Wappenrolle vom Deutschen Wappenherold, Deutsche Heraldische Gesellschaft e.V.!
Wird heute von „Pro Heraldica“ weitergeführt. 15 Bände erschienen.
2.)
DF Deutsche
Familienwappen, Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Göttingen. Nur 2 Bände
erschienen. Diese sind beim Herold in Berlin einsehbar.
3.)
DF Deutsche Familienwappen.
Wappenrolle wird heute vom Verein zur Förderung der Heraldik in Düsseldorf
weitergeführt. Weitere 5 Bände sind erschienen.
4.)
DFA Deutsches
Familienarchiv hrsg. von Gerhard Gessner/Neustadt an der Aisch.
5.)
DGB Deutsches
Geschlechterbuch. Weit über 200 Bände bisher erschienen, nicht für jede Familie
ist dort ein Wappen abgebildet oder beschrieben. (1)
6.)
DR Deutscher Roland. Die
Wappen sind teilweise in die DWR übernommen worden.
7.)
DWL Der Wappen-Löwe,
Heraldische Gesellschaft e.V., Gauting, 14 Bände erschienen.
8.)
DWR Deutsche Wappenrolle Bürgerlicher
Geschlechter, vom Herold, Berlin, Archivstraße. Bisher 67 Bände erschienen.
9.)
EW Europäische Wappenrolle von der
Heraldischen Gesellschaft e.V. Hamburg. 1 Band erschienen. Unterlagen beim
Herold in Berlin und im Staatsarchiv des Hamburger Senats.
10.)
GRD Generalregister Wappenführender
Geschlechter, Stuttgart. Weiterführende Wappenrolle der WRD (Wappenrolle
Dochtermann) Wappenarchiv Dochtermann. 1 Band. Übernommen von Wappen-Gilde
Stuttgart, diese wiederum von Pro Heraldica übernommen. Bis Dato ist ein
weiterer Band erschienen.
11.)
HW Hessisches Wappenbuch,
Hermann Knodt, bzw. Dieter Krieger bisher ein Band erschienen. Es werden keine
neu gestifteten Wappen eingetragen.
12.)
HWR Hessische Wappenrolle,
mindestens 9 Bände erschienen.
13.)
MH Wappenrolle Münchner (Wappen) Herold, geführt von Heraldic
Consult; München, 6 Bände erschienen. Seit 2004 weitergeführt als e.V. !
14.)
NWR Niedersächsische
Wappenrolle, „Zum Kleeblatt“ Hannover, erschienen in unzähligen verschiedenen
Mitteilungsblättern und Jahrbüchern.
15.)
OWHGW Offene Wappenrolle der HGW, hrsg. Heraldische Gemeinschaft
Westfalen, Bochum, Buchform, CD und Online-Wappenrolle.
16.)
PH Pro Heraldica, Stuttgart,
verschiedene Wappenrollen, Allgemeine Deutsche Wappenrolle, Eherold
(Online-Wappenrolle), Generalregister Wappenführender Familien Deutschlands,
Matricula Armalis.
17.)
Rhein-Main Wappenrolle, Förderverein Schloß Alsbach e.V., Alsbach,
veröffentlicht in der Schloß Post.
18.)
Verein für Wappen- und Familienforschung in Westfalen-Lippe, von
der Heraldischen Gemeinschaft Westfalen, Bochum übernommen. 1 Band
19.)
WRD Wappenrolle
Dochtermann, Stuttgart, 28 Bände erschienen. Von Wappen-Gilde Stuttgart
übernommen, heute bei Pro-Heraldica.
Sollten Sie noch andere Wappenrollen kennen, dann bitte Nachricht
an
webmaster@heraldik-heraldry.org
Fakewappen und Fakewappenrollen
Die meisten dieser Fälschungen lassen sich leicht an der stümperhaften Ausführung der Wappen erkennen, aber das ist nicht immer so. Manche Fälscher beschäftigten Wappen- oder Porzellanmaler, die gute bis sehr gute Künstler waren, oder waren selbst passable Künstler, je nach Vorbildung. Aus manchem Saulus wurde aber auch ein Paulus, Carl Krahl übernahm das Wappeninstitut des Josef Stein und verfälschte selbst Wappen. 1869 wurde er Mitbegründer des „Adlers“ in Wien und später Mitglied des HEROLD in Berlin.
Erkennungszeichen der
Falsifikate
Quellenangabe ist nicht nachvollziehbar, das heißt es
wird eine erfundene Quellenangabe gemacht, wie: „ Europäische Wappensammlung,
Zanger´sches Wappenbuch, Kurz´sche Wappensammlung,
Mailänder
Wappenbuch usw.!“ Oder die
Wappenfälscher gaben sich gegenseitig als Quelle an, was auch sehr amüsant
ist.
„Das Wappen wurde der Familie verliehen unter (Kaiser einsetzen), wegen (Grund einsetzen)“ ist auch eine Standardformel, die häufig in den Fälschungen vorkommen. Dabei bleibt es völlig uninteressant, ob es den Kaiser überhaupt gegeben hat – vielleicht war er „nur“ Deutscher König! Auch die Jahreszahlen der angeblichen Verleihung entsprechen oft nicht den Tatsachen, so gibt es Differenzen zwischen den Lebensdaten der angegebenen Kaiser und dem Datum der Verleihung. Oftmals sind die Verleihungen auch so früh angesetzt, daß es noch gar keine Wappenregistrierungen gab. Diese sind überhaupt erst nach 1450 nachweisbar, aber im ganz geringen Umfang. Inflationär wurden die Registrierungen erst um 1600 und diese sind daher auch kaum noch belegbar.
In
den alten Originalwappenbriefen war nur allgemein die Rede von Verdiensten um
Kaiser und Vaterland, spezielle Verdienste wurden nur in den „modernen“
Adelspatenten - ab 1806
-angegeben.
Bei sehr vielen Falsifikaten ist die Darstellung des Wappens sehr stümperhaft, aber nicht immer. Links oben ist ein Fake, bei dem vieles paßt:
Schlechte Darstellung, des Wappens, falsche Quelle und das Wappen stammt aus dem Jahre 1346.
Noch besser ist die Fälschung darunter, da stammt das Wappen aus dem Jahre 1037. Und auch hier trifft auch das andere alles zu, stilistischer Blödsinn, Helm und Schild sind eine Einheit, Die Helmzier wächst als Ohren seitlich aus dem Helm. Die Helmdecken sind als solche kaum zu erkennen.
Man sollte nun annehmen, daß die Leute, die heute Wappen
verfälschen, etwas schlauer geworden sind. Leider, oder zum Glück ist es nicht
so.
Die
Tricks, mit denen der Kunde geködert wird, sind immer noch die gleichen.
Geändert haben sich die Technik und die Verdienstspanne. War es früher für den
Fälscher noch eine handwerkliche Arbeit, die Wappen zu malen und etwas
Gehirnschmalz notwendig das gefälschte Pedigree zusammenzureimen; so drückt der
Fälscher von heute nur auf einen Knopf und der Computer erledigt den Rest. Aus
Textbausteinen wird schnell etwas Passendes zusammengeschustert und das Wappen
ist als Raubkopie aus dem Siebmacher auf dem Computer gespeichert. In Sekunden
ist eine passende Familiengeschichte mit originalem Wappen ausgedruckt und dem
Kunden verkauft.
Diese (Ver)Fälscher bieten Ihre Produkte meist auf Messen, Volksfesten und neuerdings auch im Internet an. Wobei im Internet meistens nichtdeutsche Firmen, sogenannte Bucketshops führend sind, die allerdings auch Deutschland beliefern, oder hier Niederlassungen unterhalten.
Nebenstehend ein Produkt, wie es auf einer Verbrauchermessen und Jahrmärkten in Deutschland angeboten wird. Das Wappen wurde aus dem Siebmacher kopiert, Bürgerliche Bände, Abteilung 7; die Textbausteine, sind aus diversen Namenslexikons, Geschichtslexikons usw. abgeschrieben, bzw. entstammen vollkommen der Phantasie. Die ganzen Daten haben mit der Familie absolut nichts zu tun. Der Anbieter dieses Produkts hat sich aber weitgehend gegen Vorwürfe abgesichert, da er sehr verklausuliert schreibt, daß die Quellenangaben „keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit“ erheben; und das Wappen vermutlich zum ersten Träger des Namens gehört. Also ist keine Rede davon, daß es sich um das Wappen des namensgleichen Käufers handelt.
Es gibt noch ein ähnliches Produkt, weniger prachtvoll gestaltet und im Querformat, der Text und die Wappenherkunft ist aber die gleiche.
Beide Produkte lassen sich sehr leicht identifizieren, da der gesamte Text voller orthographischer Fehler ist. Aus Kostengründen hat man auf teure Computer-Fonts verzichtet, daher fehlen im kompletten Text die „langen S“ und Ligaturen, die bei Fraktur und ähnlichen Schriften, laut DUDEN vorgeschrieben sind.
Der Preis für den Blödsinn liegt bei etwa 30 Euro.

Weit aus weniger einfach zu identifizieren sind Komplettfälschungen. Die Anbahnung des Geschäfts geht oft von den o.a. Anbietern aus, sobald diese merken, daß ein wirkliches Interesse am Familienwappen besteht. Oftmals wird dann gesagt, daß es sich bei den angebotenen Produkten eigentlich um Massenware handelt, aber man habe geheime und unbekannte Quellen, in denen man mal nachforschen könnte - für eine geringe Gebühr. Natürlich ist die Gebühr sofort fällig und ebenso natürlich klingelt nach ein paar Tagen beim Interessenten das Telefon, mit der frohen Botschaft: „das Wappen ist gefunden“. Nun wird dem Kunden ein Wappen aufgeschwatzt, das man in einem „Geheimarchiv“ gefunden hat. Natürlich paßt auch die Geschichte des Wappens, die der clevere Verkäufer vorher aus dem Kunden herausgelockt hat, mit der vermeintlichen Familiengeschichte überein. Natürlich greift der hocherfreute (und zahlungskräftige) Kunde zu und trägt sein uraltes Familienwappen nach Hause.
Dummerweise ist dieses Wappen weder alt, noch stimmt die Geschichte dazu. Der Fälscher hat das Wappen ganz neu gezeichnet, nach Angaben, die er vom Kunden selbst, oder von Verwandten und Freunden desselben erfahren hat. Und oh Wunder, es deckt sich alles mit den Familienlegenden.
Wenn der stolze Wappenbesitzer später einmal selbst Forschungen anstellt, dann wird er merken, daß das Wappen nichts mit seiner Familie zu tun hat. Und das auch die Familiengeschichte dazu erlogen ist. Die Wappenbrief ähnelt immer dem o.a. Muster. Als Quelle ist immer vielsagend angegeben: „Große Wappensammlung aus privatem und öffentlichem Besitz, z.T. nicht veröffentlichte Sammlungen der letzten Jahrhunderte, vom Archiv mikroverfilmt. Sammlung .....!
Als Wappensammlung ist manchmal nur eine Nummer angegeben, oft aber auch ein Fakequelle, wie Archiv Gritzmacher, Heraldisches Archiv, Heraldisches Archiv Hannover. Mit wechselnden Vorzeichen wird das Wappen dann auch dort registriert. Also, gefunden im Archiv Gritzmacher, registriert unter der Nummer XXX im Heraldischen Archiv – so einfach ist das.
Kippt die Verlade später einmal auf, dann ist der Verkäufer meist nicht mehr so einfach zu fassen. Der HGW sind allein aus dem Zeitraum von Februar bis November 1997, drei verschiedene Anschriften dieses Archivs bekannt. Ein Betrug wird auch in den seltensten Fällen nachzuweisen sein, weil der Heraldiker dumm wäre, wenn es sich das geheime Archiv nicht selbst erstellt hätte, oder auf diffuse (selbstkreierte) Quellen zurückgreifen könnte.
Der Preis für diese Machwerke lagen, je nach Finanzkraft des Kunden, zwischen 1.000 und 3.000 Euro.
Der Hersteller dieser Fake-Wappen ist im übrigen im Jahre 2001 verstorben, scheint aber unseren Recherchen nach, einen Nachfolger zu haben, da wieder Wappen-Expertisen aufgetaucht sind.

Außerdem gibt es obskure „Vereine“ die ohne terrestrische Anschrift arbeiten. Darunter fällt auch ein Verein, der unter wechselnden Namen Wappen anbietet, mal unter „Deutsche Familienwappen“, manchmal aber auch unter „Deutsche Wappenrolle“, womit aber bestimmt nicht der Herold gemeint ist. Gemeinsam ist den Wappenbriefen aber, daß sie völlig in schwarz-weiß gehalten sind, oben im Dreiecksschild ist der alten Reichsadler eingedruckt. Die Geschäftsanbahnung läuft auch über Jahrmärkte usw.!
Eine weitere Masche wird vom Verlag „Steinadler“ durchgezogen. Dieser schreibt massenweise Kunden an und verkauft Familienchroniken. Als Absender sind immer verschiedene Briefkastenadressen angegeben. In der Chronik ist ein „Familienwappen“ abgebildet, der Rest der Chronik ist genealogischer Müll. Links oben ein Wappen, daß in der Familienchronik abgebildet war. Dieses Wappen aus dem Rietstap? wurde auch noch drei anderen Familien als Wappen angedreht. Merkmal bei allen Wappen ist immer die gleiche Schablone für Helm und Decke, die Helmzier fehlt grundsätzlich.
Sollten
Sie ein Schreiben vom Steinadler-Verlag erhalten, dann werfen Sie es bitte
nicht in den Müll, sondern gehen Sie damit zur Polizei. Bei verschiedenen
Staatsanwaltschaften der Bundesländer laufen Ermittlungsverfahren gegen diese
Firma.
„Würdiger“ Vorgänger des Steinadlers war die Firma Halbert´s Family Heritage aus Ohio/USA, die aber immer noch in den USA ihr Unwesen treibt.
Aufbau des „Stammbuch/Weltbuch der Familie .......“, (oder ähnlicher Titel) war und ist dem des Steinadler-Verlags ähnlich, genealogischer Müll, gepaart mit einem „echten“ Familienwappen. Nebenstehend ist die Wappenseite eines solchen Buches abgebildet.
Hervorstechend ist hierbei: Der absolut unkorrekte Blason des Wappens, meist unter falscher Quellenangabe, sowie die typisch englisch-amerikanische Darstellungsart des Wappens.
Der Vertrieb dieses Buches ist in Deutschland – unter den angepriesenen Verkaufsargumenten – verboten. Dazu gehört auch der Verkauf des Buches durch EBAY, wo in letzter Zeit vermehrt diese Bücher auftauchen. Vielleicht von entäuschten Kunden?
Im
Internet werden „originale“ Wappen von Bucketshops abgeboten, meist auf
englischen Seiten „Your genuine Coat-of-Arms for US$ 9,99 only“. Einfach mal
bei GOOGLE den Begriff „Coats of Arms“
eingeben. Bei diesen Wappen handelt es sich meist um Kopien aus dem Rietstap
oder um Phantasieprodukte. Für den angegebenen Preis erhält man meist eine
dahingeschluderte Version des angeblichen Familien-Wappens im PDF-Format. Bei
deutschen Wappen wird oft der „Alte Siebmacher“ als Quelle genommen, der in
digitalisierter Form, mit nachgezeichneten Wappen, von der Firma Armorial Gold
vertrieben wird. Wiederum andere Firmen haben Ihren eigenen Fundus von Wappen,
die man gelegentlich mit einer anderen Helmzier variiert.
Die
etwas teureren Varianten kommen mit einer Familien-, Namens- und
Wappengeschichte. Das Tolle daran ist, das sich alle Geschichten völlig
widersprechen, je nach Anbieter. Die
Familiengeschichte fängt mit Karl dem Großen an, bei Engländern 1066 mit
Wilhelm dem Eroberer, geht über verschiedene „sehr wichtige“ Namensvettern bis
zur Neuzeit, das Wappen ist ein willkürlich herausgegriffenes, einer
namensgleichen oder –ähnlichen Familie. Wenn man sich den Spaß macht und bei
verschiedenen Anbietern bestellt, dann
hat man bald zahllose „echte“ Familiengeschichten, mit ebenso vielen
verschiedenen Wappen.
Wappen werden dort auch in gestickter Form verkauft, für knapp 20 Dollar! Wenn man sich vor Augen hält, was so eine Einzelstickerei sonst kostet, dann kann man sich klar darüber sein, daß es wohl nur einige, wenige gestickte Wappen gibt, auf Halde produziert, die dann verschieden Kunden auf´ s Auge drückt. Meier, Müller und Schulze bekommen alle das gleiche gestickte Wappen. Links zweimal das Wappen Ellis, jeweils mit anderer Geschichte und anderem Wappen.
Sie sollten daran denken, daß Sie diese Fakewappen nicht nutzen dürfen, nicht einmal auf Ihrer Homepage. Es sei denn, Sie setzen einen Hinweis, das es sich um das Wappen einer namensähnlichen Familie handelt.
Eine mißbräuchliche Nutzung kann ins Geld gehen, wenn Sie verklagt werden.
Wenn Sie auf Grund eines englischen Namens das registrierte Wappen einer namensgleichen englischen Familie führen, dann kann es sogar eine Straftat sein.
Wie man sich vor Fälschungen schützt
Niemand ist vor Fälschungen sicher, unsere Altvorderen sind darauf reingefallen, und wir sind ebenso anfällig.
Grundsätzlich kann niemand Ihr Familienwappen oder Ihre Familiengeschichte finden, oder erforschen, wenn er keinerlei Anhaltspunkte über Sie oder Ihre Vorfahren hat. Das einzige was man finden kann, daß sind Daten/Wappen von namensgleichen Familien.
Kein seriöser Heraldiker oder Genealoge
wird Sie von sich aus ansprechen und seine Dienste anbieten. Wenn Sie in einem
Genealogie- oder Heraldikforum Fragen zu Ihrer Familiengeschichte/Wappen
gestellt haben und nur negative Antworten darauf bekamen. Plötzlich aber eine
unangeforderte Mail von einem Allwissenden bekommen, der gegen Bares seine
Dienste, mit absoluter Erfolgsgarantie anbietet, dann sollten sofort alle
Alarmglocken läuten. Sie sollten das dann auch dem Moderator des Forums
mitteilen, damit der sofort einen Riegel vorschieben kann. Kein Mensch kann
Ihnen eine Erfolgsgarantie bei Forschungen geben!!!! Wenn Sie in Foren nur
negative Antworten zu Ihren Fragen bekamen, dann können Sie von deren
Richtigkeit ausgehen. In den Foren tummeln sich nicht nur Laien, sondern oft
auch Profis, die Ihr Wissen unentgeltlich zur Verfügung stellen.
Es gibt keine geheimen Quellen oder
Archive in Heraldik und Genealogie. Es ist alles mehr oder weniger bekannt,
oder sollte es zumindest sein. Der
HEROLD in Berlin hat wohl das größte und umfangreichste Archiv in Deutschland
und daran ist absolut nichts Geheim. Auch andere heraldische Vereine haben ein
Archiv und viele davon haben auch Zugriff auf die gleichen Quellen wie der
HEROLD. Wenn geheime Quellen ins Spiel kommen, dann ist es mit großer
Sicherheit Fake. Wenn Sie also irgendwo von „geheimen und unbekannten
Mikrofilmarchiven“ und „nur uns bekannten Wappenbüchern“ lesen, dann besser die Finger davon lassen,
oder fragen einen unparteiischen Fachmann. Meistens handelt es sich bei den
unbekannten Quellen um den alten Siebmacher, der für die Wappenforschung
komplett ungeeignet ist, weil er stellenweise schlicht und einfach falsch ist.
(Wappen sind falschen Namen zugeordnet, Namen sind falsch geschrieben, es fehlen
genealogische Angaben zum Wappen usw.) Es gibt einige 100 Wappensammlungen mit
100.000en Wappen, von denen der Großteil nicht brauchbar ist, weil nur das
Wappen registriert wurde und der Familienname. Damit kann kein Mensch etwas
anfangen. Die kartierten, das heißt zuordnungsfähigen Wappen liegen bei etwa
120.000 bis 200.000 Stück und das bei Millionen von Wappen, die jemals geführt
wurden. Weitere 40.000 bis 60.000 Wappen warten noch auf eine Bearbeitung. Von
allen diesen wappenführenden Geschlechtern ist aber ein großer Teil
ausgestorben. Die Chancen ein Wappen zu suchen und zu finden sind also denkbar
schlecht – wenn auch nicht unmöglich.
Nicht alle heraldischen oder
genealogischen Vereine oder Gesellschaften sind gleich. Einige haben ganz
andere, nämlich kommerzielle Interessen im Vordergrund. Nicht umsonst hält der
HEROLD in Berlin nichts von einer Verquickung von Kommerz und Heraldik und
lehnt diese Gesellschaften ab. Was allerdings nicht heißt, daß diese
kommerziellen Anbieter alle über einen Kamm zu scheren sind.
Schlecht sind nur die, die dem Kommerz
alles opfern, also auch die Seriosität. Bei solchen kann man dann auch schnell
ein Fakewappen bekommen (ist weniger Arbeit was abzupinseln und etwas zu
verändern), oder es muß aus kommerziellen Gründen ein
Wappen gefunden werden – ansonsten gibt es nicht genug Geld.
Ein seriöser Anbieter hat nichts zu
verbergen. Er nennt Roß und Reiter, d.h. postalische Anschrift, Telefon,
Verantwortliche(n) usw.! Sie sollten sich auch nicht scheuen dort anzurufen.
Manchmal ist nur die Telefonnummer eines Büroservice angegeben, dann Hände weg.
Das gilt auch wenn der Anbieter tagelang nicht zu erreichen ist.
Hat der Anbieter seinen Sitz in
Deutschland? Das ist sehr wichtig, falls Sie Reklamationen haben, im Ausland
kommen Sie nur schlecht an Ihr Geld.
Hat der Anbieter einen guten Ruf? Das
können Sie in jedem Forum erfragen, es ist nichts Geheim. (Daran denken; keine
Antwort ist auch eine Antwort) Ausländer können sich an das zuständige Konsulat
wenden. Die meisten seriösen deutschen Vereine sind auch im Ausland bekannt und
unterhalten Beziehungen zu ausländischen Vereinen, man kann also auch da anfragen.