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Geschichte der Wappenrollen

 

Moderne Wappenrollen

 

Fakewappen und Fakewappenrollen

 

Moderne Fälschungen ( Heraldisches Archiv, Steinadler, Halbert´s usw.)

 

Wie man sich vor Fälschungen schützt

 
 
 
Geschichte der Wappenrollen

 

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern gab es in den von der deutschen Heraldik beeinflußten Staaten nie ein zentrales Wappenregister, zumindest soweit es Bürgerliche Wappen anging.

In Deutschland wurde die Annahme von Wappen, von Beginn der Heraldik an, immer als etwas Privates angesehen. Daraus ist heute ein Gewohnheitsrecht geworden.

Von Seiten der Obrigkeit gab es immer wieder Versuche diese selbständigen Wappenannahmen zu verbieten, es ist aber nie durchgedrungen, wovon die zahllosen Verordnungen zeugen.

Es ist ein schlichtes Märchen; wenn heute noch verbreitet wird, daß nicht durch Wappenpatente garantierte oder verliehene Wappen etwas Minderwertiges seien. Die wenigsten Wappen wurden registriert, noch weniger wurden je verliehen. Mit Verleihung ist meist nur die Eintragung und damit die rechtliche Absicherung eines bereits bestehenden Wappens gemeint. Eintragungen wurden von Hofpfalzgrafen (Kaiserliche Verwaltungsbeamte) gegen ein Handgeld durchgeführt. Diese Hofpfalzgrafen wurden unterschieden in solche mit Großem und andere mit Kleinem Palatinat. Die mit Kleinem hatten ähnliche Aufgaben wie die heutigen Notare; Hofpfalzgrafen mit Großem Palatinat konnten außerdem noch gewisse hoheitliche Aufgaben übertragen bekommen, wie z.b. Nobilitierungen. Hofpfalzgrafen waren nicht immer natürliche Personen, es konnten auch juristische Personen sein. Die meisten Ernennungen zum H. waren erblich oder an den Bestand der juristischen Person gebunden, so kam es, daß bis zum Ende des alten Reichs 1806 fast 4000 natürliche und juristische Personen eine Ernennung erhalten hatten.

 

Teilweise wurde vom Kaiser auch an Adelige oder Fürsten das Recht vergeben eine bestimmte oder unbestimmte Anzahl von Wappen verleihen zu dürfen. Dazu kommt noch, daß schon seit dem 14. Jahrhundert neben dem Kaiser auch andere deutsche Fürsten Wappenbriefe ausstellten, die Herzöge von Bayern, die Pfalzgrafen bei Rhein usw. Außerdem durften auch die Churfürsten welche den Kaiser vertraten  Wappenbriefe ausstellen und Nobilitierungen vornehmen. 

Nach 1806 wurden die Ämter der Hofpfalzgrafen aufgelöst und an Ihre Stelle traten die Heroldsämter der verschiedenen Deutschen Staaten. Einige Staaten, wie Preußen hatten schon vorher ein eigenes Heroldsamt (1735), andere Staaten hatten wiederum keins oder die Ämter gab es nur von Zeit zu Zeit. Gemeinsam war allen Heroldsämtern, daß Bürgerliche Wappen nicht mehr registriert, bzw. verliehen wurde. Sie kümmerten sich nur um Kommunal- bzw. Adelswappen Eine Ausnahme machte hierbei das Königreich Sachsen, wo von 1912 bis 1918 auch Patente für Bürgerliche Wappen erteilt wurden. Eine weitere Möglichkeit zur Rechtssicherung des Wappens bestand in einer Eintragung im „Deutschen Geschlechterbuch“ ab 1878!

Alle diese Wappenbriefe, die bis 1918 erteilt wurde waren reine „offene Briefe“, d.h. der Besitzer des Patents hatte durch Besitz und Präsentation des Briefes seine Rechte am Wappen bewiesen. Eine Wappenrolle im heutigen Sinne des Wortes gab es damals nicht. Zwar wurden Kopien der Patente geschrieben und in Libellen gesammelt, aber diese Bücher wurden immer wieder receycelt, da sie auf knappen und daher wertvollen Pergament geschrieben waren.

Außerdem hatten die Hofpfalzgrafen  einen Anteil der Gebühren an den Kaiser abzuführen, was dazu geführt hat, daß die Bücher höchst ungenau und lückenhaft geführt wurden.

 

Die erteilten kaiserlichen Wappenbriefe kann man in zwei Gruppen einteilen:

1.     Der „normale“ Wappenbrief . Mit ihm wurde kein besonderes Recht vergeben,  sondern das Wappen quasi registriert. Von dieser Sorte gab es unzählige, da relativ preiswert. Allein aus der Regierungszeit Friedrich III. sind über 5.000 dieser Briefe bekannt. Das soll nicht heißen, daß noch alle Wappen bekannt wären oder registriert sind.

2.     Der Wappenbrief mit Artikel. Diese Art des Wappenbriefs wurde in zwei verschiedenen Versionen ausgestellt. Version eins enthielt den Passus „meins Reiches Wapensgenos“ und eine Aufstellung darüber wie das Wappen verwendet werden konnte. Da darin auch der Wappengebrauch auf Turnieren usw. behandelt wird, kann man davon ausgehen, daß mit diesem so etwas ähnliches wie die Turnierfähigkeit verliehen wurde. Die zweite Version enthielt den Passus „Meins Reichs Wapen und Lehnsgenos“, damit wurden noch erweiterte Rechte vergeben, wie, Steuerbegünstigung, Lehnsfähigkeit, also ein Ritterlehen o.ä. zu erwerben und den Namen des Lehens als Zunamen zu führen, Beispielsweise „Rieter von Kronberg“!

Die Wappenbriefe mit Artikel kann man als Vorstufe zum Adelsbrief ansehen. Teilweise wurde mit diesen Briefen auch der Adel ersessen. D.h. der Adel wurde später offiziell bestätigt, oder stillschweigend geduldet.

Es ist natürlich klar, daß die Wappenbriefe mit Artikel äußerst teuer waren, daher wurden sie fast ausschließlich vom reichen Bürgertum oder Patriziat erworben.  

 

Moderne Wappenrollen     

 

Nach dem Ende des letzten Kaiserreichs wurden um 1920 die letzten Überbleibsel der Monarchie, die Heroldsämter in Preußen aufgelöst. An seine Stelle traten für Adelswappen der damalige „Ehrenschutzbund des deutschen Adels“ (Heute Deutscher Adelsverein in Marburg) für Bürgerliche Wappen zahlreiche Genealogisch-Heraldische Vereine und Gesellschaften, von denen einige allerdings schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts existierten. Allerdings durften diese Vereine keine Wappenrollen führen. Im Jahre 1925 wurde von den Vereinen die Gründung einer einzigen Wappenrolle beschlossen, mit Namen Allgemeine Deutsche Wappenrolle. Leider wurde die Arbeitsgemeinschaft schon recht bald danach wieder aufgelöst, weil ein bestimmter Verein versuchte die anderen zu dominieren.
Seit diesem Zeitpunkt gibt es in Deutschland etliche Wappenrollen von mehr oder minderer Bedeutung.
Sinn und Zweck dieser Wappenrollen ist die Dokumentation der geführten Familienwappen. Weiterhin werden die Wappen auf Einhaltung der heraldischen Regeln geprüft und darüber ein Wappenbrief ausgestellt. Siehe dazu auch Seite Wappenrecht.
Des weiteren sollte diese Wappenrolle möglichst schnell und weitest verbreitet veröffentlicht werden. Der Sinn der Veröffentlichung besteht darin, daß möglichst viele Personen erreicht werden, die von der Führung des Wappens Kenntnis nehmen können. Sei es aus beruflichem Interesse (Heraldiker) oder aus persönlichem Interesse; mögliche Führung eines bestehenden Wappens durch Verwandte. Weiterhin dient eine möglichst weite Verbreitung der eingetragenen Wappen der Wappenausschließlichkeit.
Bei der Veröffentlichung gehen die Wappenrollen verschiedene Wege:

 

1.)   Veröffentlichung in Buchform oder vereinsinternen Mitteilungsblättern

2.)   Veröffentlichung auf elektronischen Medien, wie CD-ROM und Internet

3.)   Beide Möglichkeiten

 

In wie weit eine reine Veröffentlichung in Buchform (Mitgliedsblättern) sinnvoll ist, wegen der meist sehr kleinen Auflage, soll hier nicht erörtert werden. Weiterhin wird durch eine Registrierung und durch den Wappenbrief weitgehend gewährleistet, daß das Wappen nicht in Vergessenheit gerät.

Anzumerken sei hier nur noch, daß viele deutsche Wappenrollen eine Doppelregistrierung ablehnen. D.h. der HEROLD z.B. lehnt alle Wappen zur Registrierung ab, die schon in einer anderen Wappenrolle registriert wurden.

 

Auflistung der Wappenrollen (erhebt nicht den Anspruch auf  Vollständigkeit) in Deutschland mit allen mir bekannten Informationen. Wenn es die Wappenrollen nicht mehr gibt, ist die Wappenrolle angegeben, die diese weiterführt. Farberklärung Abk. in Blau Wappenrolle existiert noch; Rot existiert nicht mehr; Grün wurde von anderen Vereinen übernommen; Schwarz ungewiß.

 

1.)                   ADW  Allgemeine Deutsche Wappenrolle vom Deutschen Wappenherold, Deutsche Heraldische Gesellschaft e.V.! Wird heute von „Pro Heraldica“ weitergeführt. 15 Bände erschienen.

 

2.)                   DF    Deutsche Familienwappen, Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Göttingen. Nur 2 Bände erschienen. Diese sind beim Herold in Berlin einsehbar.

 

3.)                   DF Deutsche Familienwappen.  Wappenrolle wird heute vom Verein zur Förderung der Heraldik in Düsseldorf weitergeführt. Weitere 5 Bände sind erschienen.

 

4.)                   DFA   Deutsches Familienarchiv hrsg. von Gerhard Gessner/Neustadt an der Aisch.

 

5.)                   DGB   Deutsches Geschlechterbuch. Weit über 200 Bände bisher erschienen, nicht für jede Familie ist dort ein Wappen abgebildet oder beschrieben. (1)

 

 

6.)                   DR   Deutscher Roland. Die Wappen sind teilweise in die DWR übernommen worden.

 

  

7.)                   DWL   Der Wappen-Löwe, Heraldische Gesellschaft e.V., Gauting, 14 Bände erschienen.

    

8.)                     DWR  Deutsche Wappenrolle Bürgerlicher Geschlechter, vom Herold, Berlin, Archivstraße. Bisher 67 Bände erschienen.

 

 

9.)                     EW   Europäische Wappenrolle von der Heraldischen Gesellschaft e.V. Hamburg. 1 Band erschienen. Unterlagen beim Herold in Berlin und im Staatsarchiv des Hamburger Senats.

 

10.)                GRD  Generalregister Wappenführender Geschlechter, Stuttgart. Weiterführende Wappenrolle der WRD (Wappenrolle Dochtermann) Wappenarchiv Dochtermann. 1 Band. Übernommen von Wappen-Gilde Stuttgart, diese wiederum von Pro Heraldica übernommen. Bis Dato ist ein weiterer Band erschienen.

 

 

11.)              HW  Hessisches Wappenbuch, Hermann Knodt, bzw. Dieter Krieger bisher ein Band erschienen. Es werden keine neu gestifteten Wappen eingetragen.

 

12.)              HWR  Hessische Wappenrolle, mindestens 9 Bände erschienen.

 

13.)              MH Wappenrolle Münchner (Wappen) Herold, geführt von Heraldic Consult; München, 6 Bände erschienen. Seit 2004 weitergeführt als e.V. !

 

 

14.)              NWR  Niedersächsische Wappenrolle, „Zum Kleeblatt“ Hannover, erschienen in unzähligen verschiedenen Mitteilungsblättern und Jahrbüchern.

 

15.)              OWHGW Offene Wappenrolle der HGW, hrsg. Heraldische Gemeinschaft Westfalen, Bochum, Buchform, CD und Online-Wappenrolle.

 

16.)              PH   Pro Heraldica, Stuttgart, verschiedene Wappenrollen, Allgemeine Deutsche Wappenrolle, Eherold (Online-Wappenrolle), Generalregister Wappenführender Familien Deutschlands, Matricula Armalis.

 

17.)              Rhein-Main Wappenrolle, Förderverein Schloß Alsbach e.V., Alsbach, veröffentlicht in der Schloß Post.

 

18.)              Verein für Wappen- und Familienforschung in Westfalen-Lippe, von der Heraldischen Gemeinschaft Westfalen, Bochum übernommen. 1 Band

 

19.)              WRD  Wappenrolle Dochtermann, Stuttgart, 28 Bände erschienen. Von Wappen-Gilde Stuttgart übernommen, heute bei Pro-Heraldica.

 

Sollten Sie noch andere Wappenrollen kennen, dann bitte Nachricht an

 

webmaster@heraldik-heraldry.org

 

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Fakewappen und Fakewappenrollen

 

Nach dem Ende des alten Reiches 1806, traten bald die ersten Wappenfälscher auf den Plan. Diese suchten aus alten Wappenbüchern, z.B. dem alten Siebmacher, Familienwappen namensgleicher Familien heraus, um diese dann, manchmal leicht umfrisiert, an den Mann zu bringen. Es wurde natürlich gleich eine passende Familiengenealogie miterfunden, die eine adelige oder zumindest ritterschaftliche Anstammung der Familie vorgaukelte.
Diese Wappenfälscher waren mitunter sehr produktiv und einfallsreich um ihre Produkte in Deutschland und den Nachbarländern abzusetzen. Dazu hatten die Großen der Zunft, wie Paul Gründel, oder Conrad Schüssler aus Dresden, ganze Horden von Vertretern in Deutschland, die für die Firmen Aufträge akquirierten. Bei Preisen um die 300 GM pro Wappen war das ein sehr schönes Geschäft.
Andere Fälscher wiederum, wie der „Berühmte Herr Zangerer“ haben ganze Landstriche mit Fakewappen versorgt. Es gibt heute noch das „Große Zanger´sche Wappenbuch“ in dem der gute Mann seine Fälschungen, ähnlich wie im Siebmacher registriert hat (über 11.000 Wappen!!!!). Ob  alle Wappen, die in der Wappensammlung aufgeführt sind, tatsächlich auch verkauft wurden, das ist heute nicht mehr nachzuprüfen. Tatsache ist jedoch, daß das Zanger´sche Wappenbuch lange für echt gehalten wurde, und u.a. im Stadtarchiv Ulm stand. Dieses Zanger´sche Wappenbuch war auch Grundlage der Fälschungen der Familie Kurz, die noch Ihre eigenen Fälschungen dazupackten und fertig war die „Große Kurz´sche Wappensammlung. Beide Wappensammlungen sind heute wieder im Familienbesitz.

Die meisten dieser Fälschungen lassen sich leicht an der stümperhaften Ausführung der Wappen erkennen, aber das ist nicht immer so. Manche Fälscher beschäftigten Wappen- oder Porzellanmaler, die gute bis sehr gute Künstler waren, oder waren selbst passable Künstler, je nach Vorbildung. Aus manchem Saulus wurde aber auch ein Paulus, Carl Krahl übernahm das Wappeninstitut des Josef Stein und verfälschte selbst Wappen. 1869 wurde er Mitbegründer des „Adlers“ in Wien und später Mitglied des HEROLD in Berlin.

 

Erkennungszeichen der Falsifikate

 

Quellenangabe ist nicht nachvollziehbar, das heißt es wird eine erfundene Quellenangabe gemacht, wie: „ Europäische Wappensammlung, Zanger´sches Wappenbuch, Kurz´sche Wappensammlung, Mailänder Wappenbuch usw.!“  Oder die Wappenfälscher gaben sich gegenseitig als Quelle an, was auch sehr amüsant ist. 

 

„Das Wappen wurde der Familie verliehen unter (Kaiser einsetzen), wegen (Grund einsetzen)“ ist auch eine Standardformel, die häufig in den Fälschungen vorkommen. Dabei bleibt es völlig uninteressant, ob es den Kaiser überhaupt gegeben hat – vielleicht war er „nur“ Deutscher König! Auch die Jahreszahlen der angeblichen Verleihung entsprechen oft nicht den Tatsachen, so gibt es Differenzen zwischen den Lebensdaten der angegebenen Kaiser und dem Datum der Verleihung. Oftmals sind die Verleihungen auch so früh angesetzt, daß es noch gar keine Wappenregistrierungen gab. Diese sind überhaupt erst nach 1450 nachweisbar, aber im ganz geringen Umfang. Inflationär wurden die Registrierungen erst um 1600 und diese sind daher auch kaum noch belegbar.

In den alten Originalwappenbriefen war nur allgemein die Rede von Verdiensten um Kaiser und Vaterland, spezielle Verdienste wurden nur in den „modernen“ Adelspatenten  - ab 1806 -angegeben.  

 

Bei sehr vielen Falsifikaten ist die Darstellung des Wappens sehr stümperhaft, aber nicht immer. Links oben ist ein Fake, bei dem vieles paßt:

Schlechte Darstellung, des Wappens, falsche Quelle und das Wappen stammt aus dem Jahre 1346.

 

Noch besser ist die Fälschung darunter, da stammt das Wappen aus dem Jahre 1037. Und auch hier trifft auch das andere alles zu, stilistischer Blödsinn, Helm und Schild sind eine Einheit, Die Helmzier wächst als Ohren seitlich aus dem Helm. Die Helmdecken sind als solche kaum zu erkennen.

 

Moderne Fälschungen

 

Man sollte nun annehmen, daß die Leute, die heute Wappen verfälschen, etwas schlauer geworden sind. Leider, oder zum Glück ist es nicht so. Die Tricks, mit denen der Kunde geködert wird, sind immer noch die gleichen. Geändert haben sich die Technik und die Verdienstspanne. War es früher für den Fälscher noch eine handwerkliche Arbeit, die Wappen zu malen und etwas Gehirnschmalz notwendig das gefälschte Pedigree zusammenzureimen; so drückt der Fälscher von heute nur auf einen Knopf und der Computer erledigt den Rest. Aus Textbausteinen wird schnell etwas Passendes zusammengeschustert und das Wappen ist als Raubkopie aus dem Siebmacher auf dem Computer gespeichert. In Sekunden ist eine passende Familiengeschichte mit originalem Wappen ausgedruckt und dem Kunden verkauft.

Diese (Ver)Fälscher bieten Ihre Produkte meist auf Messen, Volksfesten und neuerdings auch im Internet an. Wobei im Internet meistens nichtdeutsche Firmen, sogenannte Bucketshops führend sind, die allerdings auch Deutschland beliefern, oder hier Niederlassungen unterhalten.

 

Nebenstehend ein Produkt, wie es auf einer Verbrauchermessen und Jahrmärkten in Deutschland angeboten wird. Das Wappen wurde aus dem Siebmacher kopiert, Bürgerliche Bände, Abteilung 7; die Textbausteine, sind aus diversen Namenslexikons, Geschichtslexikons usw. abgeschrieben, bzw. entstammen vollkommen der Phantasie. Die ganzen Daten haben mit der Familie absolut nichts zu tun. Der Anbieter dieses Produkts hat sich aber weitgehend gegen Vorwürfe abgesichert, da er sehr verklausuliert schreibt, daß die Quellenangaben „keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit“ erheben; und das Wappen  vermutlich zum ersten Träger des Namens gehört. Also ist keine Rede davon, daß es sich um das Wappen des namensgleichen Käufers handelt.

Es gibt noch ein ähnliches Produkt, weniger prachtvoll gestaltet und im Querformat, der Text und die Wappenherkunft ist aber die gleiche.

Beide Produkte lassen sich sehr leicht identifizieren, da der gesamte Text voller orthographischer Fehler ist. Aus Kostengründen hat man auf teure Computer-Fonts verzichtet, daher fehlen im kompletten Text die „langen S“ und Ligaturen, die bei Fraktur und ähnlichen Schriften, laut DUDEN vorgeschrieben sind.

Der Preis für den Blödsinn liegt bei etwa 30 Euro.

Weit aus weniger einfach zu identifizieren sind Komplettfälschungen. Die Anbahnung des Geschäfts geht oft von den o.a. Anbietern aus, sobald diese merken, daß ein wirkliches Interesse am Familienwappen besteht. Oftmals wird dann gesagt, daß es sich bei den angebotenen Produkten eigentlich um Massenware handelt, aber man habe geheime und unbekannte Quellen, in denen man mal nachforschen könnte - für eine geringe Gebühr. Natürlich ist die Gebühr sofort fällig und ebenso natürlich klingelt nach ein paar Tagen beim Interessenten das Telefon, mit der frohen Botschaft: „das Wappen ist gefunden“. Nun wird dem Kunden ein Wappen aufgeschwatzt, das man in einem „Geheimarchiv“ gefunden hat. Natürlich paßt auch die Geschichte des Wappens, die der clevere Verkäufer vorher aus dem Kunden herausgelockt hat, mit der vermeintlichen Familiengeschichte überein. Natürlich greift der hocherfreute (und zahlungskräftige) Kunde zu und trägt sein uraltes Familienwappen nach Hause.

Dummerweise ist dieses Wappen weder alt, noch stimmt die Geschichte dazu. Der Fälscher hat das Wappen ganz neu gezeichnet, nach Angaben, die er vom Kunden selbst, oder von Verwandten und Freunden desselben erfahren hat. Und oh Wunder, es deckt sich alles mit den Familienlegenden.

Wenn der stolze Wappenbesitzer später einmal selbst Forschungen anstellt, dann wird er merken, daß das Wappen nichts mit seiner Familie zu tun hat. Und das auch die Familiengeschichte dazu erlogen ist. Die Wappenbrief ähnelt immer dem o.a. Muster. Als Quelle ist immer vielsagend angegeben: „Große Wappensammlung aus privatem und öffentlichem Besitz, z.T. nicht veröffentlichte Sammlungen der letzten Jahrhunderte, vom Archiv mikroverfilmt. Sammlung .....!

Als Wappensammlung ist manchmal nur eine Nummer angegeben, oft aber auch ein Fakequelle, wie Archiv Gritzmacher, Heraldisches Archiv, Heraldisches Archiv Hannover. Mit wechselnden Vorzeichen  wird das Wappen dann auch dort registriert. Also, gefunden im Archiv Gritzmacher, registriert unter der Nummer XXX im Heraldischen Archiv – so einfach ist das.

Kippt die Verlade später einmal auf, dann ist der Verkäufer meist nicht mehr so einfach zu fassen. Der HGW sind allein aus dem Zeitraum von Februar bis November 1997, drei verschiedene Anschriften dieses Archivs bekannt. Ein Betrug wird auch in den seltensten Fällen nachzuweisen sein, weil der Heraldiker dumm wäre, wenn es sich das geheime Archiv nicht selbst erstellt hätte, oder auf diffuse (selbstkreierte) Quellen zurückgreifen könnte.

Der Preis für diese Machwerke lagen, je nach Finanzkraft des Kunden, zwischen 1.000 und 3.000 Euro.

Der Hersteller dieser Fake-Wappen ist im übrigen im Jahre 2001 verstorben, scheint aber unseren Recherchen nach, einen Nachfolger zu haben, da wieder Wappen-Expertisen aufgetaucht sind.

Außerdem gibt es obskure „Vereine“ die ohne terrestrische Anschrift arbeiten. Darunter fällt auch ein Verein, der unter wechselnden Namen Wappen anbietet, mal unter „Deutsche Familienwappen“, manchmal aber auch unter „Deutsche Wappenrolle“, womit aber bestimmt nicht der Herold gemeint ist. Gemeinsam ist den Wappenbriefen aber, daß sie völlig in schwarz-weiß gehalten sind, oben im Dreiecksschild ist der alten Reichsadler eingedruckt. Die Geschäftsanbahnung läuft auch über Jahrmärkte usw.! 

 

Eine weitere Masche wird vom Verlag „Steinadler“ durchgezogen. Dieser schreibt massenweise Kunden an und verkauft Familienchroniken. Als Absender sind immer verschiedene Briefkastenadressen angegeben. In der Chronik ist ein „Familienwappen“ abgebildet, der Rest der Chronik ist genealogischer Müll. Links oben ein Wappen, daß in der Familienchronik abgebildet war. Dieses Wappen aus dem Rietstap? wurde auch noch drei anderen Familien als Wappen angedreht. Merkmal bei allen Wappen ist immer die gleiche Schablone für Helm und Decke, die Helmzier fehlt grundsätzlich.

Sollten Sie ein Schreiben vom Steinadler-Verlag erhalten, dann werfen Sie es bitte nicht in den Müll, sondern gehen Sie damit zur Polizei. Bei verschiedenen Staatsanwaltschaften der Bundesländer laufen Ermittlungsverfahren gegen diese Firma.

 

„Würdiger“ Vorgänger des Steinadlers war die Firma Halbert´s Family Heritage aus Ohio/USA, die aber immer noch in den USA ihr Unwesen treibt.

Aufbau des „Stammbuch/Weltbuch der Familie .......“, (oder ähnlicher Titel) war und ist  dem des Steinadler-Verlags ähnlich, genealogischer Müll, gepaart mit einem „echten“ Familienwappen. Nebenstehend ist die Wappenseite eines solchen Buches abgebildet.

Hervorstechend ist hierbei: Der absolut unkorrekte Blason des Wappens, meist unter falscher Quellenangabe, sowie die typisch englisch-amerikanische Darstellungsart des Wappens.

Der Vertrieb dieses Buches ist in Deutschland – unter den angepriesenen Verkaufsargumenten – verboten. Dazu gehört auch der Verkauf des Buches durch EBAY, wo in letzter Zeit vermehrt diese Bücher auftauchen. Vielleicht von entäuschten Kunden?     

 

Im Internet werden „originale“ Wappen von Bucketshops abgeboten, meist auf englischen Seiten „Your genuine Coat-of-Arms for US$ 9,99 only“. Einfach mal bei GOOGLE den Begriff  „Coats of Arms“ eingeben. Bei diesen Wappen handelt es sich meist um Kopien aus dem Rietstap oder um Phantasieprodukte. Für den angegebenen Preis erhält man meist eine dahingeschluderte Version des angeblichen Familien-Wappens im PDF-Format. Bei deutschen Wappen wird oft der „Alte Siebmacher“ als Quelle genommen, der in digitalisierter Form, mit nachgezeichneten Wappen, von der Firma Armorial Gold vertrieben wird. Wiederum andere Firmen haben Ihren eigenen Fundus von Wappen, die man gelegentlich mit einer anderen Helmzier variiert.

Die etwas teureren Varianten kommen mit einer Familien-, Namens- und Wappengeschichte. Das Tolle daran ist, das sich alle Geschichten völlig widersprechen,  je nach Anbieter. Die Familiengeschichte fängt mit Karl dem Großen an, bei Engländern 1066 mit Wilhelm dem Eroberer, geht über verschiedene „sehr wichtige“ Namensvettern bis zur Neuzeit, das Wappen ist ein willkürlich herausgegriffenes, einer namensgleichen oder –ähnlichen Familie. Wenn man sich den Spaß macht und bei verschiedenen Anbietern bestellt, dann  hat man bald zahllose „echte“ Familiengeschichten, mit ebenso vielen verschiedenen Wappen.

Wappen werden dort auch in gestickter Form verkauft, für knapp 20 Dollar! Wenn man sich vor Augen hält, was so eine Einzelstickerei sonst kostet, dann kann man sich klar darüber sein, daß es wohl nur einige, wenige gestickte Wappen gibt, auf Halde produziert, die dann verschieden Kunden auf´ s Auge drückt. Meier, Müller und Schulze bekommen alle das gleiche gestickte Wappen. Links zweimal das Wappen Ellis, jeweils mit anderer Geschichte und anderem Wappen.

 

Sie sollten daran denken, daß Sie diese Fakewappen nicht nutzen dürfen, nicht einmal auf Ihrer Homepage. Es sei denn, Sie setzen einen Hinweis, das es sich um das Wappen einer namensähnlichen Familie handelt.

Eine mißbräuchliche Nutzung kann ins Geld gehen, wenn Sie verklagt werden.

Wenn Sie auf Grund eines englischen Namens das registrierte Wappen einer namensgleichen englischen Familie führen, dann kann es sogar eine Straftat sein.                        

   

Wie man sich vor Fälschungen schützt

 

Niemand ist vor Fälschungen sicher, unsere Altvorderen sind darauf reingefallen, und wir sind ebenso anfällig.

 

Grundsätzlich kann niemand Ihr Familienwappen oder Ihre Familiengeschichte finden, oder erforschen, wenn er keinerlei Anhaltspunkte über Sie oder Ihre Vorfahren hat. Das einzige was man finden kann, daß sind Daten/Wappen von namensgleichen Familien.

 

Kein seriöser Heraldiker oder Genealoge wird Sie von sich aus ansprechen und seine Dienste anbieten. Wenn Sie in einem Genealogie- oder Heraldikforum Fragen zu Ihrer Familiengeschichte/Wappen gestellt haben und nur negative Antworten darauf bekamen. Plötzlich aber eine unangeforderte Mail von einem Allwissenden bekommen, der gegen Bares seine Dienste, mit absoluter Erfolgsgarantie anbietet, dann sollten sofort alle Alarmglocken läuten. Sie sollten das dann auch dem Moderator des Forums mitteilen, damit der sofort einen Riegel vorschieben kann. Kein Mensch kann Ihnen eine Erfolgsgarantie bei Forschungen geben!!!! Wenn Sie in Foren nur negative Antworten zu Ihren Fragen bekamen, dann können Sie von deren Richtigkeit ausgehen. In den Foren tummeln sich nicht nur Laien, sondern oft auch Profis, die Ihr Wissen unentgeltlich zur Verfügung stellen.

 

Es gibt keine geheimen Quellen oder Archive in Heraldik und Genealogie. Es ist alles mehr oder weniger bekannt, oder sollte es zumindest sein.  Der HEROLD in Berlin hat wohl das größte und umfangreichste Archiv in Deutschland und daran ist absolut nichts Geheim. Auch andere heraldische Vereine haben ein Archiv und viele davon haben auch Zugriff auf die gleichen Quellen wie der HEROLD. Wenn geheime Quellen ins Spiel kommen, dann ist es mit großer Sicherheit Fake. Wenn Sie also irgendwo von „geheimen und unbekannten Mikrofilmarchiven“ und „nur uns bekannten Wappenbüchern“  lesen, dann besser die Finger davon lassen, oder fragen einen unparteiischen Fachmann. Meistens handelt es sich bei den unbekannten Quellen um den alten Siebmacher, der für die Wappenforschung komplett ungeeignet ist, weil er stellenweise schlicht und einfach falsch ist. (Wappen sind falschen Namen zugeordnet, Namen sind falsch geschrieben, es fehlen genealogische Angaben zum Wappen usw.) Es gibt einige 100 Wappensammlungen mit 100.000en Wappen, von denen der Großteil nicht brauchbar ist, weil nur das Wappen registriert wurde und der Familienname. Damit kann kein Mensch etwas anfangen. Die kartierten, das heißt zuordnungsfähigen Wappen liegen bei etwa 120.000 bis 200.000 Stück und das bei Millionen von Wappen, die jemals geführt wurden. Weitere 40.000 bis 60.000 Wappen warten noch auf eine Bearbeitung. Von allen diesen wappenführenden Geschlechtern ist aber ein großer Teil ausgestorben. Die Chancen ein Wappen zu suchen und zu finden sind also denkbar schlecht – wenn auch nicht unmöglich.

 

Nicht alle heraldischen oder genealogischen Vereine oder Gesellschaften sind gleich. Einige haben ganz andere, nämlich kommerzielle Interessen im Vordergrund. Nicht umsonst hält der HEROLD in Berlin nichts von einer Verquickung von Kommerz und Heraldik und lehnt diese Gesellschaften ab. Was allerdings nicht heißt, daß diese kommerziellen Anbieter alle über einen Kamm zu scheren sind.

Schlecht sind nur die, die dem Kommerz alles opfern, also auch die Seriosität. Bei solchen kann man dann auch schnell ein Fakewappen bekommen (ist weniger Arbeit was abzupinseln und etwas zu verändern), oder es muß aus kommerziellen Gründen ein Wappen gefunden werden – ansonsten gibt es nicht genug Geld. 

 

Ein seriöser Anbieter hat nichts zu verbergen. Er nennt Roß und Reiter, d.h. postalische Anschrift, Telefon, Verantwortliche(n) usw.! Sie sollten sich auch nicht scheuen dort anzurufen. Manchmal ist nur die Telefonnummer eines Büroservice angegeben, dann Hände weg. Das gilt auch wenn der Anbieter tagelang nicht zu erreichen ist. 

Hat der Anbieter seinen Sitz in Deutschland? Das ist sehr wichtig, falls Sie Reklamationen haben, im Ausland kommen Sie nur schlecht an Ihr Geld.

Hat der Anbieter einen guten Ruf? Das können Sie in jedem Forum erfragen, es ist nichts Geheim. (Daran denken; keine Antwort ist auch eine Antwort) Ausländer können sich an das zuständige Konsulat wenden. Die meisten seriösen deutschen Vereine sind auch im Ausland bekannt und unterhalten Beziehungen zu ausländischen Vereinen, man kann  also auch da anfragen.