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Quellen zur Wappensuche

 

Identifikation eines Wappens

 

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Quellen zu Wappensuche

 

 

Deutsche Quellen

 

Wie schon erwähnt war früher die Führung eines Wappens weiter verbreitet als man heute annimmt. Man steht allerdings vor dem Problem, daß nur wenige Wappen jemals überregional registriert wurden. Die bekanntesten Wappensammlungen sind:

       I.      Siebmachers Wappenbücher, kurz „Der Siebmacher“ genannt. Es gibt mehrer Auflagen der Bücher, die älteste ist aus dem Jahre 1599/1602. Diese Auflage wurde ständig erweitert und unter immer neuen Namen veröffentlicht, bis letztendlich der ursprüngliche Name Siebmacher wieder im Titel auftauchte. Die älteste Ausgabe besteht nur aus einem Band und beinhaltet ca. 5.000 Wappen, die nach dem Rang und der Herkunftsregion des Wappeninhabers sortiert sind.  Die erweiterten Auflagen bestanden zunächst aus zwei Bänden, die auf sechs Bände anwuchsen und zum Schluß die sechs Bände sowie 12 Supplemente umfaßte. Diese Ausgaben sind auch unter anderem Namen bekannt, z.B. Weigel´sches, Fürst´sches oder Helmer´sches   Wappenbuch. Diese Wappenbücher sind für die Forschung weniger interessant, da alle genealogische Daten zu den Wappen fehlen. Es waren etwa 18.000 Wappen in der Sammlung

    II.      Neuer Siebmacher.  Im Jahre 1854 wurde der Siebmacher wiederum bearbeitet, neu zusammengestellt, erweitert und berichtigt. Zu den Erweiterungen gehören die Informationen zu den einzelnen Wappen. Berichtigung hieß vielfach aber auch, daß Wappen die man nicht mehr einwandfrei einer bestimmten Familie zuordnen konnte, aus der Sammlung genommen wurden. Diese Auflage bestand aus mehreren Reihen und insgesamt 101 Abteilungen. Als man diese Auflage wiederum erweiterte mit den Abteilungen der Neuen Folgen (NF), kam es zu doppelter Numerierung, worauf man den Siebmacher in „logischer“ Folge neu zusammenstellte - in der heute bekannten Form von ca. 60 Bänden. Einige dieser Bände sind aber keine Wappenbücher sondern wissenschaftliche Bücher. Der Siebmacher für Adelswappen ist nach deutschen Regionen aufgebaut und hat eine eigene Reihe für bürgerliche Wappen. Wobei die Aufteilung der Wappen in Adelig und Bürgerlich aber manchmal sehr willkürlich und nicht nachvollziehbar ist. Viele bürgerliche Wappen sind auch in den Adelsbänden.

 III.      Armorial Générale, kurz Rietstap genannt enthält ca. 120.000 Blasons europäischer Wappen in alphabetischer Reihenfolge. Der Großteil der Wappen sind wiederum Adelswappen, die meisten Wappen kommen aus Frankreich und Deutschland. Blason heißt, daß die Wappen dort nur in heraldischer Kunstsprache beschrieben sind, Abbildungen fehlen völlig. Oftmals wird auch die für Deutschland so wichtige Helmzier nicht erwähnt. Auch gibt es nur grobe Hinweise auf die Heimat der Wappenbesitzer.

IV.      Illustrations to the Amorial Général, kurz Rolland genannt. Diese Buch in 6 Bänden enthält alle Abbildungen zum Rietstap.

 

Dazu kommen noch viele regionale Wappensammlungen, die man nicht einzeln aufzählen kann. Dafür gibt es aber Generalindexe

 

a.      Alphabetisches Namensregister bürgerlicher deutscher Wappenvorkommen, kurz Kenfenheuer genannt. Das Buch beinhaltet ca. 40.000 verschiedene Namen und ca. 200.000 Wappenvorkommen nach Quellen und Wappensammlungen.  Insgesamt sind 168 verschiedene Quellen, bzw. Wappenbücher aufgeführt.

b.     Nachweise bürgerlicher Wappen in Deutschland, ist eine Ergänzung des Kenfenheuers mit neueren Wappenvorkommen und Quellen . Insgesamt ca. 30.000 Wappen aus 23 verschiedenen Quellen, bzw. Wappensammlungen oder Wappenrollen.

c.     Wappensammlungen in öffentlichem und privaten Besitz, ca. 40.000 Namen und Wappen aus Europa.

 

 

Europäische Quellen

 

Diese Liste gibt nur einen kurzen Überblick und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In den meisten Ländern außer England existieren noch Hunderte von Wappenbüchern nach Regionen oder Provinzen. Italienische Wappen können z.B. auch im Siebmacher zu finden sein, genau wie niederländische oder belgische Wappen. Die Niederlande fehlen hier ganz, weil es dort unzählige Wappensammlungen gibt. 

 

England

 

             I.      The General Armory, kurz Burke´s genannt. Ca. 60.000 Wappen in alphabetischer Reihenfolge sortiert

 

Frankreich

 

             I.      Armorial Général de France

 

          II.      Tresor Heraldique, ca. 200 Genealogien und Wappen.

 

       III.      Armorial de Bibliophile, 2000 Wappen, Blasons und Genealogien

 

 

      IV.      Zahllose weitere regionale Wappensammlungen

 

Spanien

 

             I.      Diccionario Hispano De Apellidos Y Blasones, 4 Bände, 517 Namen und Wappen zusammen mit Blason und Genealogie

 

          II.      Gran Diccionario Grafico de Blasones, 37.000 Wappen

 

 

Italien

 

Dizionario Sorico-Blasonico Italiane, 16.000 Namen und Wappen zusammen mit Blason und Genealogien

 

 

 

Identifikation eines Wappens

 

Wenn ein Forscher irgendwo ein Wappen findet, so muß er auch die Möglichkeit haben das selbe zu identifizieren. Das ist leider einfacher gesagt als getan, denn Wappen sind nicht einfach zu kategorisieren und danach zu identifizieren. Seit mehreren hundert Jahren suchen Wissenschaftler nach einem praktikablen System ein Wappenschild nach bestimmten Kriterien einzuordnen und nach diesem System auch identifizierbar zu machen. Es gibt verschiedene Systeme, von denen jedes seinen Vorteil leider aber auch wieder gravierende Nachteile hat.

Die meisten Systeme sind nach der Struktur des Schildes aufgebaut, die unterste Stufe ist der ledige Schild, als ein Schild, der nur in einer Farbe oder Metall gehalten ist ohne jegliches Symbol. Dann wird weiter sortiert nach Heroldsbild, also Sparren, Balken usw.! Nun haben es aber die meisten Schilde an sich, daß es eben kein lediger Schild ist, oder die Heroldsfiguren noch von anderen Symbolen begleitet werden, es mehrere Heroldsfiguren gibt, oder der Schild quadriert und nochmals subquadriert ist. Und dann  fangen die ganzen Probleme an. Ein einfaches Beispiel:

Ein Schild mit einem Löwen, über alles ein Querbalken. Dieser Schild muß schon in zwei Kategorien eingeordnet werden. Einmal unter Tieren/Löwe, ein zweites Mal unter Heroldsbild/Balken/Querbalken. Es sei denn man entscheidet sich für ein rigoroses Ordnungssystem, daß nach einem sehr starren Muster vorgeht. Dann muß man aber die Systematik 2 Jahre lang intensiv studieren und hat immer noch keinen Durchblick. Wie dem auch sei, es gibt also mehrere Systeme nach denen diese Identifikation möglich ist. Zur Identifikation gibt es Bücher, manchmal Schlüssel genannt oder auch Ordinary nach dem englischen Wort für Heroldsbild. Oder Kartierungssysteme, in denen auf Karteikarten die Wappen nach Schema sortiert sind, wobei jedem Schema eine bestimmte Zahl zugeordnet ist.

 

In Deutschland dürfte am bekanntesten das Große Wappen Bilder Lexikon sein, genannt der Neubecker nach seinem Verfasser. Darin sind die Wappen des Bürgerlichen Siebmachers nach einem ziemlich verqueren System sortiert. Die Erklärung des Systems erscheint logisch, was aber nur dem ersten Anschein nach so ist. Nach mehrjährigem Gebrauch kennt man die Eigenheiten des Systems und kann meist recht schnell ein Wappen identifizieren. Anfänger ohne Erfahrung sind hoffnungslos überfordert.  Weiterhin bekannt ist der „Fischnaler“ der Wappen aus dem Alpenraum (Österreich) enthält. Das System ist wieder komplett anders.

Ein drittes Buch gibt es auch noch (neben vielen anderen) Das Namensregister zur Reclam´schen Heroldsbilder-Sammlung (Wappensammlungen in öffentlichem und privaten Besitz) und genau wie der geneigte Leser erwartet hat, gibt es hier wieder ein komplett anderes System. Allerdings hat er auch einen eigenen Zahlenschlüssel zur Systematisierung entwickelt. Was die ganze Sache allerdings auch nicht gerade vereinfacht.

Den größten Anlauf zur Systematisierung hat der HEROLD in Berlin genommen. Er hat eine Wappenbilderkartei von nahezu 200.000 „systematisch“ erfaßten Wappen. Zur Systematisierung ist ein Buch erschienen, das genauestens, in drei Sprachen, jedes einzelne Bild in der Heraldik beschreibt (Umarbeitung von Gritzners Heraldischer Terminologie) und zugleich eine Anleitung zur Verschlüsselung und Erschließung der Kartei ist.  Das Buch ist 500 Seiten stark im üblichen Siebmacherformat.

Nur ein Beispiel mit Erklärung, falls jemand mal in Versuchung kommt nach dem System ein Wappen zu finden:

03/01 : 0231 –371 5011 : 01 ; 4051 : 03

Erklärung: 03/01  03 = Rot  /  = Aufzählung verschiedener Felder  01 = Gold   – 371 = Zeichen für quadriert  5011 = Löwe  : Art des Löwen hier Farbe = Gold  ;  = Abgrenzung der Felder  4051  = Adler  : wiederum Art hier Farbe = Rot.

Zusammen als Blason: Quadriert Rot und Gold in eins und drei ein Löwe Gold, in zwei und drei ein Adler Rot. War doch ganz einfach oder nicht? Das ganze nennt sich ziemlich einfach WBO, Wappenbilderordnung.

 

Warum der Löwe die Nummer 5011 bis 5031 hat, aber der geflügelte Löwe, der Seelöwe, und der Markuslöwe plötzlich unter den 6000ern zu suchen ist, wir mir immer verschlossen bleiben. Aber vermutlich wollte man einfach mit Gewalt ein System finden und – oh Wunder es funktioniert sogar.

 

Für die ausländischen oben genannten Wappenbücher gibt es wieder eigene Schlüssel oder Bilder Lexikons. Für den Burke´s gibt es den Papworth´s Ordinary of British Armorials. Wiederum mit eigner Systematik. Für den Rietstap, bzw. den Rolland gibt es den Schlüssel zum Rietstap, den Renesse. Ich wiederhole mich, wiederum nach eigenem System.    

             

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© Michael Waas, HGW  2004